Adoptionskosten nicht absetzbar

Adoptionskosten sind nicht als außergewöhnliche Belastungen absetzbar. Denn es handelt sich nicht um Kosten einer medizinischen Behandlung; vielmehr beruhen sie auf einer freiwilligen Entscheidung.

Hintergrund: Zu den außergewöhnlichen Belastungen gehören Aufwendungen, die dem Steuerpflichtigen zwangsläufig entstehen. Typische Beispiele hierfür sind Krankheitskosten oder Wiederbeschaffungskosten nach der Zerstörung des Hausrats durch Feuer oder Hochwasser.

Streitfall: Die Kläger konnten wegen einer sog. primären Sterilität keine Kinder bekommen. Eine künstliche Befruchtung lehnten sie aus ethischen und gesundheitlichen Gründen ab. Sie adoptierten ein Kind aus dem Ausland und zahlten hierfür ca. 8.000 €, die sie als außergewöhnliche Belastungen geltend machten.

Entscheidung: Der Bundesfinanzhof (BFH) erkannte die Adoptionskosten nicht an und wies die hiergegen gerichtete Klage ab:

  • Bei den Adoptionskosten handelte es sich nicht um Krankheitskosten, weil die Sterilität nicht geheilt bzw. nicht überwunden werden sollte.
  • Die Annahme einer medizinischen Behandlung würde gegen die Menschenwürde des adoptierten Kindes verstoßen, weil hierdurch das Kind zu einem bloßen Objekt herabgewürdigt würde.
  • Die Adoptionskosten waren nicht zwangsläufig: Denn die Entscheidung, ein Kind zu adoptieren, ist freiwillig.
  • Zwar stellt die ungewollte Kinderlosigkeit eine schwere Belastung für Paare dar. Dies ändert jedoch nichts an ihrem freien Entschluss zur Adoption.

Hinweis: Im Falle einer künstlichen Befruchtung wären die Kosten regelmäßig als medizinische Behandlungskosten und damit als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig, soweit sie nicht von der Krankenkasse erstattet werden.