Abschlagszahlungen an Architekten und Ingenieure

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat zur steuerlichen Behandlung von Ansprüchen bilanzierender Architekten und Ingenieure auf Abschlagzahlungen Stellung genommen, die sich aufgrund der für Architekten und Ingenieure geltenden Honorarverordnung ergeben können. Das BMF folgt der neuen Rechtsprechung, die von einer Gewinnrealisierung ausgeht; das BMF sieht aber eine Übergangs- sowie Billigkeitsregelung vor.

Hintergrund: Architekten und Ingenieure können nach ihrer Honorarverordnung eine Abschlagzahlung zu schriftlich vereinbarten Zeitpunkten oder aber in angemessenen zeitlichen Abständen für nachgewiesene Grundleistungen verlangen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der Architekt bzw. Ingenieur bis zur Schlussabnahme des Objekts auf sein Honorar warten muss.

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat im Jahr 2014 entschieden, dass der geltend gemachte Anspruch auf eine derartige Abschlagzahlung bei einem bilanzierenden Architekten bzw. Ingenieur gewinnerhöhend zu aktivieren ist.

Die wesentlichen Aussagen des BMF-Schreibens:

  • Das BMF schließt sich der neuen BFH-Rechtsprechung an, so dass geltend gemachte Ansprüche auf Abschlagzahlungen bei bilanzierenden Architekten und Ingenieuren zu einer Gewinnerhöhung führen. Dem BMF zufolge ist die Gewinnerhöhung aufgrund der geforderten Abschlagzahlung gerechtfertigt, weil der Architekt bzw. Ingenieur seine Leistung zum Teil schon erbracht hat. Es kommt damit weder auf den Zeitpunkt der Zahlung des Abschlags bzw. auf den Zeitpunkt der Honorarschlussrechnung noch auf den Zeitpunkt der Schlussabnahme an.
  • Diese Grundsätze gelten für Ansprüche auf Abschlagzahlungen sowohl auf der Grundlage der aktuellen Fassung der Honorarverordnung als auch auf der Grundlage der früheren Fassung der Honorarverordnung. Außerdem sollen diese Grundsätze dem BMF zufolge auch für Werkunternehmer (insbesondere Handwerker) gelten, die von dem Besteller (Auftraggeber) nach dem Gesetz eine Abschlagzahlung für eine vertragsgemäß erbrachte Leistung in der Höhe verlangen können, in der der Besteller durch die Leistung des Werkunternehmers bereits einen Wertzuwachs erlangt hat.
  • Die Grundsätze gelten erstmalig in dem Wirtschaftsjahr, das nach dem 23. 12. 2014 beginnt, in der Regel also ab dem Wirtschaftsjahr 2015.
  • Ein Gewinn, der sich aus der erstmaligen Anwendung dieser Grundsätze ergibt, darf zur Vermeidung von Härten auf zwei oder drei Jahre verteilt werden, nämlich auf das Jahr der Aktivierung und das folgende Wirtschaftsjahr bzw. auf die beiden folgenden Wirtschaftsjahre.

Hinweise: Zu einer Gewinnerhöhung kommt es auch weiterhin nicht, wenn der Unternehmer lediglich einen Vorschuss für eine noch zu erbringende Leistung fordert. Die vom BMF-Schreiben erfasste Abschlagzahlung setzt nämlich eine bereits erbrachte Teilleistung voraus.

Das BMF-Schreiben führt zu einer Vorverlagerung der Versteuerung. Bislang musste der Gewinn erst nach der Schlussabnahme in voller Höhe versteuert werden; jetzt kommt es zu einer Versteuerung in Teilbeträgen, weil bereits die Ansprüche auf Abschlagzahlungen versteuert werden müssen und nach der Schlussabnahme nur noch der Restbetrag zu einer Gewinnerhöhung führt. Das BMF-Schreiben hat keine Bedeutung für Architekten, Ingenieure oder Werkunternehmer, die ihren Gewinn durch Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln; hier kommt es auch weiterhin auf den Zeitpunkt des Zuflusses des Honorars an.